Tag 11: Ich bin durch…

…sowohl bissl mit den Nerven, als auch wirklich total durchnässt (gewesen) – bis uffn Schüpper. Aber der Reihe nach:

Der Morgen im Hotel war so nett wie alles hier, nur die Gespräche der Deutschen an den Nebentischen haben mir eigentlich seit 10 Tagen gar nicht gefehlt. Ich geb mich nicht zu erkennen und starte …zunächst nur ein paar Minuten zur Speyside Cooperage – der einzigen noch aktiven Böttcherei in UK. Hier rennen viele junge Männer rum und lernen noch das Handwerk des Holzfässer-Bauens bzw. -Wiederaufarbeitens. Auf eine Führung hab ich keine Lust …anders komm ich aber leider nicht auf den Hof mit den Unmengen an Whiskyfässern und so muss ein Blick übern Zaun reichen.

künftige Whiskyfässer

Dann fahre ich durch Dufftown, der heimlichen Welt-Hauptstadt des Whisky, da dieses kleine Örtchen weltweit die meisten Destillerien (nämlich 7) hat, aber noch nicht mal 1700 Einwohner. Hier ist u.a. die Glenfiddich Destillery …von dem Whisky haben Viele schon gehört.

Ich fahre weiter Richtung Küste und es zieht sich zu, wird kühler und dann muss ich fix in die Regensachen. An einer Stelle wird gebaut mit Stopschild ohne Ampel …also guck ich – finds frei und fahre weiter. Da springt ein Bauarbeiter auf die Straße und erklärt mir, dass ich wirklich stehen bleiben muss bis ??? …ich zeige mich total reuig und dann regelt er mit dem Funkgerät, dass ich jetzt doch kommen darf – ich bedanke mich fast bei jedem einzelnen Bauarbeiter 😊😊😊

An der Küste scheint dann wieder die Sonne – ich halte an einem Golfplatz und ich muss die Regensachen ausziehen, weil mir sonst zu warm wird.

Die kleinen Küsteorte sollen sich lohnen – ich will nach Crovie oder Pennan, biege aber kurz vorher nach Gardenstown ab und denk mir schon beim Runterfahren durch steile enge Gassen „was hab ich mir denn dabei gedacht? – da komm ich nie wieder hoch“ – es gibt noch ne Ampel bei etwa 30 % Gefälle …glücklicherweise ist die grün. Der Ort ist wirklich sehenswert, aber …ich muss da wirklich wieder hoch. Es gibt keine andere Straße.

Runter bin ich ganz gut gekommen.
Wirklich schön im Hafen von Gardenstown.
Und da liegt Crovie …wenn ich hier wieder hoch komme, fahre ich da dann sicher nicht gleich wieder runter und auch nicht in Pennan.

Ich red mir gut zu und fahr los. Natürlich ist die Ampel rot und ich such mir etwas weiter rechts ne Stelle, die zum Halten nicht ganz so steil ist und dann dauert es ewig.

Irgendwie komm ich weg und hoch und fast raus aus dem Ort …als es da wieder flacher wird, wundere ich mich, dass mir ein Auto mit 2 alten Damen auf meiner Spur entgegen kommt …und keine Anstalten macht, die Spur zu wechseln. Da merke ich, dass ich die alte Dame auf der falschen Spur bin …ich bin im Stressmodus rechts geblieben. Wir kriegen das alles gut geregelt, aber so ganz oft brauche ich das nicht. Die Küstenstraße ist auch ohne Abzweige ganz runter recht anspruchsvoll. Ich fahr sie jetzt durch bis Fraserburgh. Das ist – bis auf eine Einkaufsmeile – eher eine bissl abgef… Hafenstadt mit Bars und Nachtclubs. Nach einer kurzen Runde reichts für heute und ich nehme den kürzesten Weg um Aberdeen rum (hab keine Lust mehr auf große Stadt) bis Stonehaven.

Fraserburgh
Ich fahr jetzt zügig durch – bin heute genug langsam durch enge Kurven und über viele Hügel gefahren.

Kurz nach Aberdeen fängt es an zu regnen …es sind noch 15 Minuten und ich halte nicht nochmal für Regensachen an – blöd, denn es wird heftig und dauert. Handschuhe und Jacke sind schon durch als es plötzlich auch in die Hose läuft …ziemlich kalt. Hoffentlich kriege ich das wieder trocken bis morgen …die Einfahrt zu meinem Bayview-B&B ist von einem ausladenden LKW zugeparkt. Das auch noch, dann erstmal woanders hinstellen und die Schlüsselbox suchen.

Ich finde alles und freu mich, dass das Zimmer so schön ist.

Da kann’s doch gern weiter regnen bis morgen.

Als der LKW weg ist, hol ich die Blonde noch auf den Hof (ein älterer Herr kommt aus dem Haus und bewundert die Blonde), dann dusche ich heiss, drehe die Heizung hoch, häng alles zum Trocknen auf …finde einen kleinen Begrüssungswein und Kaffee und mach mir ein Süppchen.

Als ich im Bett sitze und sogar von hier aus aufs Meer gucken kann, kommt der ältere Herr nochmal und bringt mir noch 2 Scheiben Toast im Tupperdöschen. Hm – im Kühlschrank steht doch schon Toast für morgen früh. Na – wer weiß. Jetzt ist mir trocken und warm …ich höre Möwen und Meer und sehe grüne Felsen aus dem Meer ragen ☺️

Und das war die Strecke heute.

20 Gedanken zu “Tag 11: Ich bin durch…

  1. Upps, das waren ja viele Aufreger an einem Tag, liebe Birgit. Manchmal ist man selbst der Geisterfahrer, gut, dass alles gut gegangen ist! Aber Dein Zimmerausblick belohnt Dich. Auch sonst wieder schöne Bilder!
    Take care. Heute sende ich Dir liebe Grüße aus Görlitz! Birte

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  2. Liebe Birgit, was fuer ein Ritt, wir sind bei dir und hoffen du fährst immer auf der richtigen Seite und findest immer ein trockenes Plätzchen, wir haben heute Kühe in den Alpen auf dem Hang gesehen und uns gefragt, wie die wohl da wieder runter kommen, es geht alles , 😜 halte durch und wir sind auf weitere Berichte gespannt,liebe Grüsse aus dem Salzburger Land deine Sylvie

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    1. Genau irgendwie geht dann doch alles. Ich staune hier auch, wo Kühe und Schafe so alles rumstehen. Ich guck auch nach euch und finds sehr schön, was ihr euch da gönnt. Liebe Grüße Birgit

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  3. Liebe Birgit, da war dein Tag ja heute sehr vielseitig. Aber du hast alles wieder super geschafft. Die Sachen trocknen bis morgen. Dein Blick entschädigt dich für den Stress des Tages. Lass es dir noch gut gehen heute und morgen gute Weiterfahrt, hoffentlich mal ohne Regen, damit du alles noch besser genießen kannst auf deinerTour. LG Martina

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  4. Wow. Ich hab‘ ein paar Tage verpasst und hab‘ beim Lesen grad mitgefiebert. Aber bis auf das Wetter ist ja alles schick. Motorrad da und läuft und das mit dem Linksverkehr klappt nach dem Erlaubnis jetzt bestimmt.
    Das hat wirklich viel Erlebniswert und beim Lesen echt Unterhaltungswert. Habe bei den anderen Blogs auch mal gelesen…Das gäbe auch ein tolles Buch 😉
    Herzliche Grüße, hier regnet es seit heute. Vielleicht klappt es ja nun mit Sonnenschein. Ich hab‘ welchen losgeschickt.

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    1. Ich hab ja auch Sonnenschein – das ist halt schottisches Wetter.
      Ach, das freut mich, dass sie’s lesenswert finden. Sollte ich als Rentnerin mal knapp bei Kasse sein, schreib ich dann 😉

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  5. Jetzt aber .. kann gar nicht ins Bett, bevor ich nicht weiß, dass du wieder in trockenen Tüchern bist. Danke für die wunderschönen Fotos! Bissel weniger Regen wünsche ich dir aber sonst soll es so spannend mit guten Ausgang weiterfahren. Schlaf gut und morgen ein sonniges Erwachen. LbG Barbara

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    1. Danke, liebe Barbara …ich bin im Trockenen und die Sachen sind’s bis morgen auch wieder. 😘🙋🏻‍♀️🏴󠁧󠁢󠁳󠁣󠁴󠁿🏍️

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  6. He meine gute, das war ja ganz schön abenteuerlich…da fühlt ich mir dir und bewundere deinen Mut zu einer solchen Unternehmung immer wieder aufs Neue. Aber es macht ja auch Spass und bringt so viele Erinnerungen für später mit. Und es ist auch spannend für den Leser 🤗 also genieß es bis zum letzten Meter und ich folge dir in deinem Blog gedanklich auf diesem echt tollen Weg 😘

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    1. Das ist wunderbar, liebe Christiane, gerade höre und sehe ich das erwachende Meer und alles Schwierige ist vergessen. Liebe Grüße ins Vogtland 🙋🏻‍♀️

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  7. Jeden Tag lese ich ganz gespannt, wie es weitergeht auf deiner Tour und freue mich an den Bildern! Die alte Dame auf der falschen Spur, oje, aber ist ja gut gegangen und so ist die Erfahrung auch mal gemacht. Das Wetter hier in der Bretagne ist etwas besser aber ähnlich abwechslungsreich, in knapp 2 Stunden Sonne, Regen, Nebel, wieder Sonne – kein Problem. Dir weiterhin gute Fahrt! Ich fahre in Gedanken ein Stück mit. 🏍️

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    1. Wunderbar, liebe Sandra, ich freu mich auch an deinen Bretagne-Fotos …du hast einen tollen Blick für Details und Licht.
      Gerade sitze ich mitten in den Highlands in einem kleinen Café draußen. Liebe Grüße und fahr gern ein Stück mit 🏍️🏍️

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  8. Hut ab, liebe Birgit, was Du alles an einem Tag gemeistert hast. Und mit dem Regen scheinst Du Dich arrangiert zu haben. Linksverkehr: ich stelle mir vor, dass Kopf und auch Körper / Körpergefühl sich heftig umstellen müssen. Ich wünsche, dass es immer vertrauter wird auf den kommenden Fahrten. Einen entspannten Abend und liebe Grüße, Katrin

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    1. Wenn ich mir öfter mal „links, links, links“ sage, gehts gut. 😉
      Du bist jetzt bei Christine in der Schweiz – dann macht’s euch mal gemütlich da. Hier sind morgen in der Nähe (Killin) Highlandgames – ich bin gespannt.

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